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Die
Prato Haggadah.
Im sephardischen Spanien um das Jahr 1300 prunkvoll mit Gold
und Silber illuminiert.
.Eine Haggadah besteht aus einer Sammlung von Texten. Sie
beinhaltet neben Schriften aus dem Alten Testament und deren
Exegese auch Legenden, Fabeln, Aphorismen, Psalmen und Gebete
und erinnert an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen
Gefangenschaft und an ihre Mission. Das Buch war die Liturgie
der häuslichen jüdischen Osterfeier am Vorabend
des Pessach-Festes und hat seinen Ursprung in der mündlichen
Überlieferung der Epoche des 2. Tempels, d.h. bis zum
Jahr 70 v. Chr.. Später wurde sie erweitert und schriftlich
festgehalten.
·Während des Pessach-Festes wurden die aufgeschriebenen
Texte im familiären Kreis gelesen, und später hat
man sie für die private Andacht in ein handliches Format
gebracht. Das katholische Gegenstück dazu finden wir
in den Stundenbüchern.
.Während des 13. und 14. Jahrhunderts gaben einige prominente
Juden europäischer Fürstenhöfe die Illuminierung
der Haggadah in Auftrag. Anfangs war sie ornamentaler Art,
dann kamen figurative Darstellungen von höchstem künstlerischem
Niveau hinzu.
.Im 13. Jahrhundert tauchen die ältesten illustrierten
Pessach-Haggadahs (Ostererzählung) in Westeuropa auf.
Die Prato Haggadah wurde um das Jahr 1300 in Spanien geschaffen.
.Dieses wundervoll geschmückte Manuskript ist auch deshalb
so faszinierend, weil es den Entstehungsprozess der Illuminierung
mittelalterlicher Kodizes zeigt, da einige seiner Blätter
unvollendet geblieben sind. Somit ist es möglich, die
verschiedenen Schritte und Vorgehensweisen der Illuminierung
der Handschrift nachzuvollziehen: Die Vorbereitung der Farben,
das Auftragen des "Gesso" zur Fixierung von Gold-
und Silberblättchen und schliesslich das Auftragen der
Pigmente.
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.Die Seiten der Handschrift sind mit grossem Aufwand aufs
prächtigste geschmückt: An Gold und Silber wurde
nicht gespart, leuchtendes Blau kommt ebenso vor wie beide
Arten von Rot und Deckweiss. Benutzt wurden ferner sowohl
das Grün als auch das Gelb, zusammen mit dem Pastellblau,
dem Rosa und den Purpurfarben.
Einmalige, limitierte Auflage von 100 numerierten Exemplaren
mit notariellem Zertifikat.
GESCHICHTE
Weitgehend im Dunkeln liegt die Geschichte der Handschrift,
bevor sie 1964 als Ms 9478 in den Besitz der Bibliothek
JTS gelangte. Bekannt ist, dass die Prata Haggadah zu Beginn
des 14. Jahrhunderts in Spanien entstand. Um das Jahr 1617
taucht sie in Italien auf, und zwar als Eigentum des italienischen
Zensors Giovanni Domenico Caretto. Man weiss nichts über
den Verbleib des Kodex bis zum Jahr 1928, als er von Dr.
Ludwig Pollak erworben wurde, der aus Prag stammte, aber
in Rom lebte. Dieser angesehene Humanist sammelte antike
Kunst, Handschriften und jüdische Bücher. Dr.
Pollak versprach, die Handschrift seinem Freund David Prato,
dem Oberrabiner Roms, auszuhändigen. Dieser ging bei
Ausbruch des 2. Weltkriegs und angesichts der Probleme mit
der faschistischen Regierung nach Palästina. Mit Dr.
Pollak, seiner Frau und seinem Sohn meinte es das Schicksal
nicht so gut. Zusammen mit den übrigen Mitgliedern
der jüdischen Gemeinde Roms wurden sie nach Auschwitz
deportiert, wo sie umkamen. Nach dem Krieg kehrte Rabiner
Prato nach Rom zurück, wo er sein altes Amt bis zu
seinem Tod 1951 ausübte. Mehrere Monate nach seinem
Tod kam sein Sohn Johnathan nach Rom. Er war israelischer
Diplomat und auf dem Weg nach Buenos Aires zu seinem Amtsantritt.
In Rom traf er sich mit Dr. Pollaks Schwägerin, der
dessen Absicht bekannt war, das Manuskript Rabiner Prato
auszuhändigen. Sie löste dieses Versprechen ein
und übergab die Handschrift der Familie Prato, wo sie
bis 1964 verblieb, bis sie von der Bibliothek JTS gekauft
wurde.
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